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Anpassungen in der sogenannten 24 Stunden-Betreuung ab 1. Januar 2017

Ein Gewinn für die häusliche Pflege: Anpassungen in der sogenannten 24 Stunden-Betreuung ab 1. Januar 2017

 

Wer Pflege in Anspruch nimmt oder sich um pflegebedürftige Familienmitglieder kümmert, auf den kommen ab 1. Januar aufgrund diverser Gesetzesreformen einige Änderungen zu. Gerade im Hinblick auf die sogenannte 24 Stunden-Betreuung kursieren im Vorfeld die unterschiedlichsten Meinungen und Gerüchte – doch nicht immer sind diese Informationen korrekt, im schlechtesten Falle schüren sie unbegründete Ängste. Im Interview stellen Krystian Temi und Luigi Avarello, Geschäftsführer der Schiffweiler Agentur Pflegeherzen, die Fakten vor und erklären, was sie tatsächlich bedeuten.

 

Herr Avarello, die Reform des Pflegestärkungsgesetzes tritt am 1. Januar 2017 in Kraft. Was ändert sich?

Um das gleich vorweg zu nehmen: Diese Gesetzesänderung bringt deutliche Vorteile für die häusliche Pflege mit sich. So wird sich unter anderem das Begutachtungssystem der medizinischen Dienste ändern. Vor allem demente Personen rücken endlich stärker in den Fokus. Patienten, die unter Demenz leiden, benötigen ja besonders viel Aufmerksamkeit, da sie im Grunde nicht alleine gelassen werden können. In der Vergangenheit hat der Gesetzgeber über diese Tatsache mehr oder weniger  hinweggesehen.

Auf der anderen Seite darf man sich ab Januar auf finanzielle Erhöhungen durch die Pflegekasse freuen. Um ein Beispiel zu nennen: Patienten der Pflegestufe I mit eingeschränkter Alltagskompetenz haben derzeit einen Anspruch auf 316 Euro Pflegegeld. Ab dem 1. Januar 2017 wird aus der Pflegestufe I der „Pflegegrad 3“, für diesen zahlt die Pflegekasse 545 Euro. Wir sprechen also von einem Leistungszuwachs von über 70 Prozent! Für alle vom Fach ist das eine sehr erfreuliche Entwicklung, da man damit der Realität in der Pflege ein gutes Stück näher gekommen ist.

 

Herr Temi, ihr Kollege berichtet vom Pflegestärkungsgesetz. Erwarten uns noch weitere Änderungen?

Ja, die gibt es und sie sind nicht gerade unbedeutend. Wird doch zum 1. Januar  der deutsche Mindestlohn noch einmal um vier Prozent auf dann 8,84 Euro brutto pro Stunde erhöht. Dies wirkt sich direkt auf die Entsendebranche aus. Alle in Deutschland arbeitenden Personen müssen ab Januar diesen Mindestsatz erhalten. Des Weiteren kommen auch im polnischen Versicherungssystem einige Änderungen zum Tragen, die wiederum zu höheren Kosten im Entsendeland, also auch Deutschland, führen. Damit muss die Branche, also auch wir, die Endpreise in der sogenannten 24 Stunden- Betreuung zwangsläufig nach oben korrigieren. Das Gute daran ist, dass diese Preiserhöhung den hart arbeitenden Betreuungskräften zu Gute kommt. Besonders durch die Änderungen in Polen werden diese Kräfte künftig besser gestellt.

 

Um mal konkret zu werden: Mit welchen Preiserhöhungen müssen die Kunden rechnen?

Nach aktuellen Informationen aus Polen geht man von einer Preiserhöhung von circa fünf Prozent aus. Dies ist unserer Meinung nach angemessen und bildet die Mindestlohnerhöhung ab. Wenn man also weiß, dass auf dem legalen Markt keine Betreuungskräfte unter 1.900 Euro zu finden sind, dann kann man davon ausgehen, dass sich die Preise um etwa 100 Euro erhöhen werden. Allerdings ist uns bekannt, dass manche Unternehmen diese Erhöhung ausnutzen und ihre Preise um 10 bis 15 Prozent erhöhen. Ob dies tatsächlich gerechtfertigt ist, darf bezweifelt werden.

 

Was empfehlen Sie Kunden im Hinblick auf die Änderungen, Herr Temi?

Klar ist, dass die Preiserhöhung für jeden  Kunden im ersten Moment eine weitere zusätzliche Belastung darstellt. Bezieht man allerdings die positiven Auswirkungen der Pflegereform in die Berechnung mit ein, erkennt man, dass die finanziellen Erhöhungen die Preiserhöhungen fast vollständig decken oder sogar weiter abfedern.

Unabhängig davon stehen Pflegebedürftigen künftig auch mehr Sachleistungen zu. Das heißt, ihnen stehen nun mehr finanzielle Mittel zur Verfügung, um Leistungen des ambulanten Pflegedienstes abzurufen. Generell ist der Patient jetzt in der Lage, zusätzlich den ambulanten Pflegedienst für die Grundpflege heranzuziehen. Was ja eine zusätzliche Entlastung bedeutet. Im optimalen Fall erhält der Patient durch die Kombinationsleistung das gleiche „Pflegegeld“ wie bis dato aber kann zusätzliche Leistungen eines Pflegedienstes in Anspruch nehmen. Weshalb unser Fazit positiv ausfällt: Kaum Einbußen im finanziellen Bereich stehen einer deutlichen Aufbesserung in der häuslichen Pflege gegenüber.

 

Können Sie noch darauf eingehen, was das für die sogenannte 24 Stunden-Betreuung, die Sie ja hauptsächlich vermitteln, bedeutet?

Wir sind der festen Überzeugung das durch die Anpassungen, die Menschen in der sog. 24 Stunden Betreuung noch besser versorgt werden können. Da pflegebedürftige Personen mit unterschiedlichen Versorgungsleistungen rechnen können, wird sich das positiv auf die Versorgungsqualität auswirken. Aufpassen sollte der Kunde, wenn er Angebote für die Entsendung osteuropäischer Kräfte erhält, die weit unter 2.000 Euro angesiedelt sind. Besteht doch der begründete Verdacht, dass es sich um bedenkliche Beschäftigung handelt. In diesen Fällen ist es dringend angeraten, das im Gespräch mit dem Anbieter kritisch zu hinterfragen und im Zweifelsfall den Zoll zu konsultieren.